Die letzten Tage habe ich meinen Bruder bei der Suche
eines geeigneten Mitbewohners für seine WG in München
unterstützt und dachte mir ich veröffentliche die Sachen,
die ich gelernt habe.
Das How-To richtet sich eher an Leute, die einen Mitbewohner
suchen, als an Leute, die eine WG suchen und geht
von der glücklichen Lage für VERMIETER in München aus.
Die Suche kann man in fünf Schritte unterteilen.
Diesen ganzen Hokuspokus muß man natürlich nicht
treiben, wenn man nur an einer Zweck-WG interessiert ist.
Das Diagramm (draufklicken, dann kann man es auch lesen)
ist eine auf dem Kopf stehende Pyramide, weil man von Schritt zu Schritt mit weniger Leuten zu tun haben wird, aber dazu später mehr.
1. WerbungMan sollte so vielen Leute, wie möglich aufmerksam machen,
da sonst auf den unteren Stufen zu wenige übrig bleiben.
- Über Freunde und eine Rundmail, ob nicht jemand in der entsprechenden Stadtbeine Bleibe sucht ist ebenfalls eine gute Idee.
- Es bieten sich die Internetportale, wie wg-gesucht.de an, weil man kostenlos eine ausführliche Anzeige mit Bildern schalten kann.
- Der Klassiker ist der Zettel am schwarzen Brett. Ist zwar mit etwas mehr Aufwand verbunden (ausdrucken und aus dem Haus gehen :-), aber wie gesagt viel hilft viel.
Bevor man die Anzeige veröffentlicht, sollte man sich Gedanken darüber gemacht haben, was für einen Mitbewohner man haben möchte. Wenn man in der Anzeige bereits deutlich macht, dass manche Personengruppen "diskriminiert" und andere bevorzugt werden, spart man den Wohnungssuchenden und sich selbst eine Menge Zeit.
Ehrlichkeit ist zwar manchmal schwierig, aber von Stufe zu Stufe werden die Aktionen für beide Parteien zeit- und kostenintensiver, so dass dieser Schritt nicht leichter wird!
Von E-mail Korrespondenz würde ich abraten, weil man in einer Flut von
Maßenemails ertrinkt und das ganze sehr zeitintensiv ist.
2. TelefoninterviewIn der Anzeige sollte man eine Handynummer / Festnetznummer und einen Zeitraum in dem man gut erreichbar ist angeben.
Auch hier gilt die alte Regel des Sams: "Man muß schon genau wünschen."
Vor den ersten Telefonaten sollte man sich Gedanken gemacht haben, wie der neue Mitbewohner aussehen sollte und was K.o-.Kriterien oder Pluspunkte sind.
- Alter
- Geschlecht
- Hobbies
- Interessen
- Gewohnheiten
- Beruf
- Studienrichtung
- Musikgeschmack
- Dialekt
- Praktikanten/Erasmusstudenten
Wenn alles passt, sollte man einen Besichtigungstermin vorschlagen, der nicht mehr
als
drei Tage in der Zukunft liegt.
Wenn es nicht passt, sollte man sich einige Ausreden ausgedacht haben:
Etwa:
- ich suche eher einen Mitbewohner/Mitbewohnerin
- ich würde es lieber kurzfristig/langfristig vermieten
- du bist zu jung/zu alt
- ich würde es lieber an einen studenten/praktikanten/berufstätigen vermieten.
Wenn man gut erzogen ist, fällt es ausgesprochen schwer, beleidigende und unangenehme
Dinge am Telefon zu sagen.
Die Alternative ist, dass man dem Interessenten eine halbe
Stunde beim Besichtigungstermin + Anfahrt + Anfahrtskosten stiehlt und
ihm später absagen muss.
Es ist sicher gut, wenn man von Anfang an Namen, Nummern und einige Stichpunkte & Gedächtnisstützen zur Person notiert.
Ein Name ohne Nummer und eine Nummer ohne Namen sind eher eingeschränkt nützlich.
3. Persönliches Treffen / WohnungsbesichtigungWir werfen einen Blick auf unseren prall gefüllten Terminkalender und lernen eine neue Lektion. Von den Leuten, die hier stehen wird ein Drittel gar nicht kommen, ein Drittel entschuldigt nicht kommen und das letzte Drittel mit milder Verspätung oder pünktlich eintreffen.
Wenn die Liste der Aspiranten also einstellig ist, könnte es knapp werden :-)
Für jeden Termin würde ich eine halbe Stunde einplanen und ein gutes Buch bereit legen um die Wartezeit auszufüllen.
Wenn man noch einen Freund / Bekannten hat, der einem bei der Bewertung hilft ist es sicher praktisch. Auch verfrühte oder verspätete Gäste können so besser "gemanagt" werden. Ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee ist eine nette Geste, die ebenfalls
in den Zuständigkeitsbereich des Handlangers fällt.
Bei den Gesprächen ist es angenehmer, wenn beide "Verhandlungsseiten"
gleich stark sind, einen einsamen Wohnungssuchenden ins Kreuzverhör
zu nehmen ist genauso unfair, wie allein von dessen Eltern ausgefragt
zu werden...
Eine Wohnungsbesichtung, die Erwähnung von Miete, Kaution aber auch positiver Aspekte der Wohnung und der eigenen Person lasse ich an dieser Stelle unerwähnt, da selbstverständlich :-)
Wenn die Kontaktdaten noch nicht vollständig sind, ist nun wohl ein guter Zeitpunkt das nachzuholen.
Ein fester Zeitpunkt bis zu dem man sich zu entscheiden gedenkt sollte ebenfalls genannt werden.
4. Entscheidungsphase / ZusageJetzt schwirrt erst mal der Kopf, weil man viele Informationen
gesammelt hat und sich daran machen kann, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Hat man einen Entscheidung gefunden sollte man erst dem Auserwählten telefonisch Bescheid
sagen. Eventuell hat er schon eine andere Bleibe, so dass es vorschnell wäre, den
anderen bereits abzusagen.
Trotzdem sollte man das fairnishalber zeitnah nachholen.
Sollte man an diesem Schritt ohne Mitbewohner dastehen, muss man wohl
nochmal zu Schritt 1 zurückkehren.
Viel Erfolg.
P.S. Wenn Du auf Wohnungssuche bist und das Vorgehen zynisch findest tut es mir leid, aber so ist nunmal das Vorgehen.